Zehenfehlstellung

Zehenfehlstellung: Arten, Ursachen, Behandlungsmethoden

Zehendeformitäten sind verbreitet. Doch nur ein geringer Prozentsatz der Zehenfehlstellungen ist angeboren. In den meisten Fällen werden die Fehlstellungen und Verformungen der Zehen im Laufe des Lebens erworben. Viele Menschen stört es optisch, wenn die Zehen plötzlich schief stehen oder sich verkrümmen. Zudem können Schmerzen beim Gehen und Probleme beim Schuhkauf die Situation verschlimmern. Vielleicht leiden auch Sie darunter, dass Ihr großer Zeh oder eine der benachbarten Zehen nicht mehr richtig gerade ist. Hier erfahren Sie, welche unterschiedlichen Zehenfehlstellungen es gibt, welche Hilfsmittel helfen und wie sich die Problematik behandeln und korrigieren lässt.

Welche Zehendeformitäten gibt es?

Als Zehendeformität oder Zehenfehlstellung wird die Abweichungen einer einzelnen Zehe oder mehrerer Zehen von der anatomischen Norm bezeichnet. Betroffen sein können großer Zeh, zweiter Zeh, dritter Zeh oder auch kleiner Zeh.

Die am häufigsten vorkommende Fehlstellung betrifft den großen Zeh. Er ist nicht gerade, sondern weicht in Richtung der übrigen Zehen ab. Dadurch steht der Ballen stärker hervor. Diese Art der Zehenfehlstellung heißt Hallux valgus und wird umgangssprachlich Ballenzeh, Ballengroßzehe, Großzehenballen oder schiefer Zeh genannt.

Ein Hallux valgus kann Schmerzen am Ballen, an den kleineren Zehen oder am Vorfuß verursachen, eine Schleimbeutelentzündung hervorrufen und zu vermehrter Hornhaut, Druckstellen, Hühneraugen und Schwielen führen.

Durch den Druck, den der große Zeh auf die benachbarten Zehen ausübt, können sich auch zweiter Zeh und dritter Zeh verformen. Bei den sogenannten Hammer- und Krallenzehen (Digitus malleus, Hallux malleus) sind die Mittel- und Endglieder der Zehen betroffen. Während der Zeh in der Mitte unnatürlich nach oben gebogen ist, positioniert sich das Zehenendstück Richtung Boden oder zeigt krallenartig zum Fuß. Teilweise gibt es keinen Bodenkontakt und der betroffene Zeh drückt gegen den Schuh. Hammerzehen und Krallenzehen können auch dann entstehen, wenn der große Zeh gerade und gesund ist.

Eine weitere Zehenfehlstellung ist der Schneiderballen (Bunionette). Dabei steht der kleine Zeh nicht gerade, sondern zeigt in Richtung des großen Zehs, wobei der Kleinzehenballen hervorsteht und geschwollen sein kann.

Darüber hinaus werden auch Längenunterschiede der Zehen zu den Zehendeformitäten gezählt. Grundsätzlich können alle Zehen zu kurz oder zu lang ausfallen.

Welche Ursachen sind für Zehendeformitäten verantwortlich?

Zehenfehlstellungen können genetisch bedingt und bereits im Kindesalter präsent sein. Fußfehlstellungen wie beispielsweise ein Spreizfuß oder Plattfuß begünstigen die Entstehung von Zehendeformitäten. Eine erbliche Vorbelastung ist aber nur für einen kleinen Teil der Zehenfehlstellungen ursächlich. Häufiger ist die Deformität erworben, indem falsches Schuhwerk getragen wird. Sind die Schuhe zu kurz, zu eng oder vorne zu spitz und wird der Fuß aufgrund eines hohen Absatzes nach vorne gedrückt und unnatürlich belastet, kann es zu einer Verformung der Zehen kommen. Ein weicheres Bindegewebe (typisch bei Frauen, besonders während der Schwangerschaft), einige Erkrankungen (beispielsweise Rheuma), bestimmte Medikamente, Übergewicht sowie häufiges Stehen begünstigen die Entstehung von Zehendeformitäten zusätzlich. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen.

Was tun bei Zehenfehlstellung?

Die Mehrzahl der Zehendeformitäten ist erworben. Folglich lassen sich Zehenfehlstellungen durch korrektes Schuhwerk verhindern. Haben sich bereits ein oder mehrere Zehen verformt, können einige Hilfsmittel und Maßnahmen gegen die Beschwerden helfen. Neben flachen Schuhen mit einer großen und weichen Zehenbox gehören zu den konservativen Behandlungsmethoden der sogenannte Zügelverband und die Zehenkorrekturorthese. Beide dienen dazu, einen abknickenden Zeh zu stabilisieren. Fußspezialisten empfehlen zusätzlich Zehengymnastik zu machen. Zahlreiche Betroffene empfinden orthopädische Einlagen (stützende Einlagen sowie Weichpolsterbettungen, bei Fußfehlstellung wie Spreizfuß spezielle Spreizfußeinlagen), Gummipolster und Filzringe für die Zehen als entlastend.

Vor allem im Anfangsstadium, wenn die Zehenfehlstellung noch nicht weit fortgeschritten ist, die Zehen sich flexibel bewegen lassen sowie Schmerzen und Druckstellen nur leicht ausgeprägt sind, sind diese konservativen Maßnahmen oft ausreichend und eine operative Korrektur nicht nötig.

Unterstützend können Schmerzmittel und medizinische Fußpflege (gegen Druckschmerzen, die aus übermäßiger Hornhaut, Hühneraugen und Schwielen resultieren) hilfreich sein.

Kann man Zehen richten?

Wenn konservative Methoden zur Behandlung nicht ausreichen, die Verformung stark fortgeschritten ist oder eine Arthrose vorliegt, lassen sich Zehenfehlstellungen operativ korrigieren. Dabei stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl, die die Sehen, Gelenke oder Knochen richten. Teilweise müssen operierte Zehen dauerhaft mit einem Implantat oder vorübergehend mit Drähten oder Schienen in Form gehalten werden. Welche Operationsmethode zur Korrektur der Fehlstellung geeignet ist, hängt von der Art, dem Ausmaß und dem Patientenalter ab.


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