Ermüdungsbruch Fuß

Stressfraktur im Fuß – wenn der Ehrgeiz die Knochen zermürbt

Schon 1899 machte der preußische Militärarzt Breithaupt eine Beobachtung: Bei einigen der jungen Soldaten schwoll der Vorderfuß an. Dazu litten sie an stechenden Schmerzen, die bei Belastung immer stärker wurden. Seine Suche nach der Ursache brachte Erstaunliches zutage: Durch die ausgedehnten Märsche über hunderte von Kilometern waren die Mittelfußknochen der Rekruten mürbe geworden und gebrochen. Ein sogenannter Ermüdungsbruch war die Ursache der sich chronifizierenden Schmerzen im Fuß, die jeden Schritt zur Qual machten und sich selbst über Nacht nicht mehr besserten.

Besonders ambitionierte Sportler, Tennisspieler, Marathonläufer, aber auch Fußballspieler, erwischt ein Ermüdungsbruch häufig. Manchmal trainieren sie noch über die Schmerzgrenze hinaus und ignorieren erste Alarmzeichen wie stechende Fußschmerzen am Knochen und Schwellungen, beißen die Zähne zusammen oder betäuben die Schmerzen mit rezeptfreien Schmerzmitteln, um bei einem Wettkampf ihr volles Leistungspotential ausschöpfen zu können. Prominente Beispiele sind der frühere Fußballprofi Philipp Lahm, der wegen einer Stressfraktur im Fuß zu einer mehrwöchigen Pause gezwungen war oder Triathlon-Star Jan Frodeno, der aufgrund eines Ermüdungsbruches im Fuß auf die Teilnahme an der Ironman-WM auf Hawaii verzichten musste.

Diese Überforderung kann insbesondere dann zum Ermüdungsbruch führen, wenn weitere Risikofaktoren wie eine Fehlformung der Füße oder Beine, das falsche Schuhwerk, eine fehlerhafte Lauftechnik oder eine mangelhafte Ernährung hinzukommen. Besonders bei Kindern führt einseitiges Training und ein unausgewogener Muskelaufbau manchmal zu einer Überlastung der noch nicht fertig ausgebildeten Knochen. Allerdings kann altersunabhängig jeder von einem Ermüdungsbruch im Fuß betroffen sein, wobei Frauen im Vergleich zu Männern ein zehnfach erhöhtes Risiko tragen.

Wie äußert sich ein Ermüdungsbruch im Fuß?

Sie haben hart trainiert, Ihnen tut buchstäblich jeder Knochen weh? Meist kann man nach einer kurzen Schonfrist von wenigen Tagen wieder durchstarten. Aber was tun, wenn die Schmerzen im Fuß länger als acht Tage anhalten oder sich sogar verschlimmern? Insbesondere wenn die Beschwerden in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Training stehen, wenn Schwellungen oder Rötungen auftreten oder sich der schmerzende Fuß erwärmt, sind das Alarmzeichen, die man ärztlich abklären lassen sollte. Dann droht möglicherweise ein Ermüdungsbruch, der sich bei fortwährender Belastung verschlimmert.

Oft kann eine rechtzeitige Therapie noch größeren Schaden abwenden. Zunächst nehmen nämlich nur die Knochenbälkchen im Inneren des Knochens Schaden. Überlastet man den Fuß dann jedoch weiterhin, erleidet man im weiteren Verlauf einen Bruch der Kortikalis, der stabilen Knochenrinde. Dumpfe Schmerzen im Mittelfuß verstärken sich und fühlen sich zunehmend stechend an. Besonders beim Abrollen des Fußes verschlimmern sich die Symptome und der Fuß schwillt immer stärker an. Dann ist der Ermüdungsbruch manifest und zwingt den Sportler zur mehrmonatigen Trainingspause.

Was tun bei einem Ermüdungsbruch im Fuß?

Haben Sie Symptome bei sich entdeckt, die auf eine Stressfraktur hindeuten könnten, so wird ein Arzt eine klinische Untersuchung vornehmen und bei begründetem Verdacht bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT veranlassen. Auch präventiv, schon bevor die Kortikalis bricht, kann der Mediziner mittels Kernspintomografie einen drohenden Ermüdungsbruch anhand von sichtbaren Entzündungsreaktionen des Körpers wie Flüssigkeitsansammlungen unter der Knochenhaut oder Schwellungen im Knochen feststellen.

Besonders zuverlässig diagnostiziert die digitale Volumentomographie (DVT) auch kleinste knöcherne Veränderungen im Bereich des Innenknöchels und Sprunggelenks. Eine weitere Möglichkeit der frühen Diagnosestellung bietet die Skelettszintigrafie. Um Strukturstörungen im Knochen zu erkennen, wird vor der Untersuchung ein radioaktiver Stoff gespritzt. Anhand der Ablagerungen der Substanz kann der Orthopäde einen Ermüdungsbruch frühzeitig feststellen.

Differentialdiagnostik bei anhaltenden Knochenschmerzen im Fuß

Nicht immer ist ein Ermüdungsbruch die Ursache anhaltender Beschwerden im Vorderfuß. Chronische Knochenentzündungen, ein sog. durch erhöhten Gewebedruck verursachtes Kompartmentsyndrom oder Arthrose sind weitere häufige Ursachen, die ähnliche Symptome hervorrufen. Eine nicht eingestellte Diabetes mellitus führt auf Dauer ebenfalls zu einer Knochenschädigung. Selten sind Tumore oder Metastasen verantwortlich. Ältere Menschen sind häufig von einem Morbus Paget betroffen, einer Erkrankung, bei der die Knochen erweichen. In der Jugend tritt hingegen hin und wieder eine fibröse Dysplasie auftritt, eine angeborene Krankheit, bei der sich faserige Geschwulste in einzelnen Knochen ausbilden.

Besteht die Möglichkeit einer Mangelernährung, gibt eine Blutuntersuchung beim Hausarzt Aufschluss. Ein chronischer Vitamin D – oder Calciummangel kann unter anderem die Knochendichte reduzieren und das Skelett anfälliger machen. In diesem Fall wäre die Substitution der fehlenden Vitamine und Mineralien durch Nahrungsergänzungsmittel oder eine Ernährungsberatung sinnvoll.

Frauen in der Menopause sollten außerdem daran denken, dass das Osteoporoserisiko, bedingt durch die hormonellen Veränderungen nach Eintritt der Wechseljahre, erhöht ist. Das liegt daran, dass Östrogen am Calciumstoffwechsel beteiligt ist. Da der Östrogenspiegel nun absinkt, wird nicht mehr so viel Calcium in den Konchen eingebaut und das Skelett wird brüchiger.

Wie wird ein Ermüdungsbruch im Fuß therapiert?

Wurde bei Ihnen eine Stressfraktur diagnostiziert, ist nur in seltenen Fällen eine Operation angezeigt. In aller Regel ist eine konservative Behandlung ausreichend. Im Fokus der Therapie stehen Schonung und Schmerzlinderung. Alle schmerzhaften Bewegungen müssen konsequent vermieden werden. Häufig wird es nötig sein, den Fuß für drei bis vier Wochen im Gipsverband oder mittels einer Orthese, eines angepassten Spezialschuhs, ruhigzustellen. Das ist vor allem dann nötig, wenn der Ermüdungsbruch im Bereich einer Gelenkfläche aufgetreten ist, da die Knochenfragmente sonst abrutschen können, wenn sie nicht stabilisiert werden. Grundsätzlich sind Sie bis zur Ausheilung einer schmerzhaften Stressfraktur auf Gehstützen angewiesen, um den Fuß bestmöglich zu entlasten.

In seltenen Fällen ist es möglich, dass die konservative Therapie allein nicht ausreicht und eine Operation nötig wird. Wenn der Ermüdungsbruch im Fuß instabil ist und die Knochenfragmente verschoben sind, werden die Knochen mit Schrauben oder Titanstiften fixiert.

Kann man mit einem Ermüdungsbruch noch laufen?

Ein Ermüdungsbruch im Fuß wird immer dann therapiebedürftig, wenn Sie Schmerzen verspüren. Solange Sie schmerzfrei auftreten und laufen können, dürfen Sie sich normal bewegen. Anders als bei einem durch einen Unfall bedingten Bruch, handelt es sich beim Ermüdungsbruch um einen schleichenden Bruch. Ist die Symptomatik noch nicht zu weit fortgeschritten und man schont sich rechtzeitig, kann man im Alltag meist noch normal gehen. Allerdings sollten Schmerzen und Überlastung des Knochens konsequent vermieden werden. Chronifiziert sich die Symptomatik und treten Schmerzen beim Laufen auf, ist die Entlastung durch Gehstützen oder Ruhigstellungsverfahren nötig.

Wie lange muss ich mit dem Training pausieren?

Nach sechs bis acht Wochen Pause kann die Belastungsfähigkeit schrittweise reaktiviert werden. Häufig empfiehlt es sich, physiotherapeutische Begleitung in Anspruch zu nehmen. Bis zur vollen sportlichen Belastungsfähigkeit werden Sie sich vier bis sechs Monate gedulden müssen. Im Rahmen einer Physiotherapie oder orthopädischen Nachuntersuchung sollte man auch über Faktoren wie Trainingspensum, Laufstil und Technik sprechen, um präventiv wirksam zu werden.

Wie kann ich einem Ermüdungsbruch im Fuß vorbeugen?

Damit es gar nicht erst zum Ermüdungsbruch im Fuß kommt, sollten Sportler immer auf die Signale ihres Körpers achten. Wer Schmerzen beim Laufen verspürt, pausiert besser, da Schmerz grundsätzlich ein Warnsignal des Körpers ist, das man ernst nehmen sollte. Ein individueller Trainingsplan kann dabei helfen, Belastungen vorzubeugen. Ein Sportmediziner ist besonders dann hilfreich, wenn Vorerkrankungen vorliegen.

Unterschätzen Sie außerdem nicht die Bedeutung von guten und passgenauen Laufschuhen und lassen Sie sich gegebenenfalls in einem Fachgeschäft beraten. Für regelmäßige Läufer könnte sich außerdem eine Laufbandanalyse rentieren. Hierbei werden Fehler im Laufstil erkannt, bevor sie sich einschleichen. Manchmal sind auch Überlastungen durch eine Fußfehlstellung ursächlich für die chronische Überbeanspruchung durch Fehlhaltungen. In diesem Fall kann ein Orthopäde medizinische Einlagen verordnen, die kompensatorisch wirken und entlasten.

Notfalls sollten Sie auf Sportarten ausweichen, die das Skelett im Fuß weniger beanspruchen. Besonders stoßartige Belastungen wie beispielsweise Tennis und Squash oder sehr intensive Beanspruchungen wie Langstreckenlauf auf hartem Asphalt schädigen auf Dauer Gelenke und Knochen. Schwimmen oder Radfahren sind dagegen wesentlich schonender. Ein Orthopäde, Physiotherapeut, aber auch Trainer in einem ausgewählten Fitnessstudio kann Sie im Rahmen eines Probetrainings beraten.

Arbeiten Sie grundsätzlich mit Ihrem Körper und nicht gegen ihn. Sportlicher Ehrgeiz motiviert und treibt zu Höchstleistungen an. Orientieren Sie sich aber besser an individuellen Zielen und steigern Sie Ihre Leistungen langsam. Knochen und Gelenke müssen das gesamte Körpergewicht ein Leben lang tragen. Ein zu hartes Training oder ein zu rasanter oder einseitiger Muskelaufbau können die Statik des Skeletts buchstäblich aus der Balance bringen. Daher gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Das ist in jedem Fall gesünder, als sich zu überfordern. Auch die eigenen Grenzen zu akzeptieren ist ein wichtiger Beitrag zu einem langen, gesunden Leben.


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