Die Achillessehne ist die stärkste und dickste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt enorme Kräfte bei jedem Schritt, Sprung und Abdruck. Wird diese Sehne dauerhaft überlastet, reagiert sie mit Reizung, Schmerz und einer Verdickung des Gewebes – dann spricht man von einer Achillessehnenentzündung. Im medizinischen Sprachgebrauch wird der Begriff oft mit der Achillodynie gleichgesetzt, einem Sammelbegriff für schmerzhafte Veränderungen rund um die Achillessehne.
Streng genommen handelt es sich seltener um eine klassische Entzündung als vielmehr um eine Tendinopathie, also eine Verschleiß- und Überlastungsreaktion des Sehnengewebes. Genau diese Unterscheidung ist für die richtige Behandlung entscheidend, denn eine reine Schonung reicht bei einer Tendinopathie meist nicht aus. Wer die Beschwerden frühzeitig ernst nimmt, kann einen chronischen Verlauf oft vermeiden. Ähnliche Überlastungsbeschwerden wie die Reizung der Achillessehne treten häufig schleichend auf und werden anfangs unterschätzt.
Die Achillessehnenentzündung kündigt sich in den meisten Fällen langsam an. Charakteristisch ist der sogenannte Anlaufschmerz: Die Sehne schmerzt morgens nach dem Aufstehen oder zu Beginn einer Belastung besonders stark und lässt nach einigen Minuten Bewegung zunächst nach. Im weiteren Verlauf können die Schmerzen auch während und nach dem Sport bestehen bleiben.
Zu den häufigsten Beschwerden, die auf eine Reizung der Achillessehne hindeuten, zählen:
Schmerzen und Steifheit an der Rückseite der Ferse, vor allem morgens
Eine tastbare, oft druckschmerzhafte Verdickung der Sehne
Schwellung und Überwärmung im Bereich des Sehnenansatzes
Zunehmende Schmerzen bei Belastung, etwa beim Joggen oder Treppensteigen
Ein knirschendes oder reibendes Gefühl bei Bewegung des Sprunggelenks
Treten zusätzlich ein plötzlicher, peitschenartiger Schmerz und ein hörbarer Knall auf, kann ein Achillessehnenriss vorliegen – das ist ein medizinischer Notfall, der sofort ärztlich abgeklärt werden sollte.
In den allermeisten Fällen entsteht eine Achillessehnenentzündung durch eine wiederholte Überlastung der Sehne, die das Gewebe schneller schädigt als es sich regenerieren kann. Besonders gefährdet sind Läufer und Ausdauersportler, die ihr Trainingspensum zu schnell steigern oder nach einer Pause zu intensiv wieder einsteigen.
Neben der sportlichen Überlastung spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle. Fußfehlstellungen wie ein Knick-Senkfuß, verkürzte Wadenmuskeln und ungeeignetes Schuhwerk erhöhen das Risiko deutlich. Auch systemische Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht sowie bestimmte Antibiotika können die Sehnenstruktur schwächen. Statistisch tritt die Erkrankung besonders ab dem 30. Lebensjahr auf, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen.
Wer die Belastung der Sehne im Alltag reduzieren möchte, kann mit geeigneten Sporteinlagen für Sportler gezielt entlasten und Fehlstellungen ausgleichen. Eine individuelle Beratung beim Fachmann hilft, die passende Lösung zu finden.
Den ersten Verdacht liefert meist das Gespräch über die Beschwerden in Kombination mit einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt tastet die Sehne ab, prüft Druckschmerz, Schwellung und Beweglichkeit des Sprunggelenks. Häufig lässt sich bereits dabei eine spindelförmige Verdickung der Sehne ertasten.
Für eine gesicherte Diagnose kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt Verdickungen und Risse im Sehnengewebe zuverlässig, während eine Magnetresonanztomographie (MRT) bei unklaren oder chronischen Fällen detaillierte Einblicke liefert. Ein Röntgenbild dient vor allem dazu, knöcherne Veränderungen wie einen Fersensporn auszuschließen. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, um andere Ursachen von Fußschmerzen sicher abzugrenzen.
Die gute Nachricht vorweg: In den meisten Fällen heilt eine Achillessehnenentzündung ohne Operation aus. Die konservative Therapie steht klar im Vordergrund und kombiniert mehrere Bausteine. In der akuten Phase hilft das PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagern), um Schmerz und Schwellung zu reduzieren. Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) können kurzfristig unterstützen.
Wichtig ist: Komplette Ruhigstellung ist kontraproduktiv, weil das Sehnengewebe gezielte Belastungsreize zur Heilung braucht. Den größten Stellenwert hat deshalb das exzentrische Training unter physiotherapeutischer Anleitung. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Behandlungsbausteine und ihre typische Anwendung zusammen:
Behandlungsmethode | Anwendung / Dauer | Ziel |
PECH-Schema | Akutphase, erste 24-48 Stunden | Schmerz und Schwellung senken |
Exzentrisches Training | 2x täglich, 7 Tage/Woche, mind. 12 Wochen | Sehnenstruktur kräftigen |
Stoßwellentherapie | ca. 3-5 Sitzungen im Abstand von Tagen | Heilungsreiz bei chronischem Verlauf |
Orthopädische Einlagen | dauerhaft im Alltagsschuh | Fehlstellung ausgleichen, entlasten |
Operation | nur bei Versagen aller anderen Verfahren | geschädigtes Gewebe entfernen |
Ergänzend kommen häufig orthopädische Einlagen zum Einsatz, die die Ferse leicht erhöhen und so die Zugspannung auf die Achillessehne reduzieren.
Das exzentrische Wadentraining gilt als wissenschaftlich am besten belegte Methode gegen Achillessehnenbeschwerden. Dabei wird die Wadenmuskulatur unter Spannung kontrolliert verlängert, was einen gezielten Heilungsreiz setzt. So führen Sie die klassische Übung auf einer Stufe korrekt aus:
Stellen Sie sich mit dem Fußballen auf eine Treppenstufe, die Fersen ragen frei nach hinten über.
Drücken Sie sich mit beiden Beinen auf die Zehenspitzen hoch.
Verlagern Sie das Gewicht auf das betroffene Bein und heben Sie das gesunde Bein an.
Senken Sie die Ferse des betroffenen Beins langsam und kontrolliert unter das Stufenniveau ab.
Wiederholen Sie die Übung in drei Sätzen mit jeweils 15 Wiederholungen, zweimal täglich über mindestens 12 Wochen.
Leichter Schmerz während der Übung ist dabei normal und kein Grund zum Abbruch. Treten jedoch stechende oder zunehmende Schmerzen auf, sollte das Training pausiert und ärztlich abgeklärt werden.
Geduld ist bei der Achillessehnenentzündung entscheidend. Während leichte Reizungen oft schon nach vier bis sechs Wochen abklingen, dauert die vollständige Heilung bei chronischen Verläufen drei bis zwölf Monate. Grund dafür ist der langsame Sehnenstoffwechsel: Erste echte Heilungseffekte zeigen sich biologisch erst nach rund acht Wochen. Eine spindelförmige Verdickung kann trotz erfolgreicher Therapie 12 bis 18 Monate bestehen bleiben.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, lohnt sich konsequente Vorbeugung. Wichtige Maßnahmen sind:
Trainingsumfang langsam und in kleinen Schritten steigern
Vor dem Sport gründlich aufwärmen und die Waden regelmäßig dehnen
Gut gedämpfte, passende Schuhe tragen und rechtzeitig wechseln
Fußfehlstellungen frühzeitig durch eine Fachperson abklären lassen
Wer unsicher ist, welche Maßnahmen im individuellen Fall sinnvoll sind, findet über die Suche nach Fußexperten in der Nähe kompetente Ansprechpartner für eine fundierte Beratung und Versorgung.
Leichte Beschwerden klingen oft innerhalb von vier bis sechs Wochen ab. Bei chronischen Verläufen muss man jedoch mit einer Heilungsdauer von drei bis zwölf Monaten rechnen, da sich Sehnengewebe nur langsam erneuert.
Komplette Ruhe ist nicht empfehlenswert, da die Sehne Belastungsreize zur Heilung braucht. Schmerzauslösende Sportarten sollten Sie aber reduzieren und auf gelenkschonende Alternativen wie Schwimmen oder Radfahren ausweichen.
In der akuten Phase lindert das PECH-Schema mit Kühlung und Entlastung die Beschwerden. Langfristig wirkt vor allem das exzentrische Wadentraining, ergänzt durch entlastende Einlagen und gegebenenfalls Physiotherapie.
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, wenn alle konservativen Maßnahmen über viele Monate keine Besserung bringen. Über 90 Prozent der Betroffenen werden ohne Eingriff wieder beschwerdefrei.
Eine Entzündung entwickelt sich meist schleichend mit Anlaufschmerz und Steifheit. Ein Riss äußert sich dagegen durch einen plötzlichen, peitschenartigen Schmerz und ein hörbares Knallgeräusch und ist ein Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.
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