Das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom, kurz CRPS, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die typischerweise nach einer Verletzung an Arm, Hand, Bein oder Fuß auftritt. Früher war diese Erkrankung unter Begriffen wie Morbus Sudeck oder Sudeck-Dystrophie bekannt, heute setzt sich international der Begriff CRPS durch. Charakteristisch sind anhaltende, brennende Schmerzen, die in keinem Verhältnis zum ursprünglichen Trauma stehen und sich nicht auf das Versorgungsgebiet eines einzelnen Nervs beschränken.
Die Beschwerden gehen über den eigentlichen Schmerz hinaus und betreffen auch die Haut, das Bindegewebe, die Muskulatur und sogar die Knochen der betroffenen Extremität. Unbehandelt kann CRPS zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen und einem Funktionsverlust der Hand oder des Fußes führen. Mediziner unterscheiden zwei Formen: CRPS Typ I entwickelt sich ohne nachweisbare Nervenschädigung, CRPS Typ II tritt nach einer eindeutigen Verletzung eines peripheren Nervs auf.
Die Symptome eines CRPS sind vielfältig und entwickeln sich oft in Phasen. In den ersten Wochen nach dem auslösenden Ereignis fallen vor allem entzündungsähnliche Veränderungen auf. Die betroffene Extremität ist überwärmt, gerötet und deutlich geschwollen – der Schmerz wirkt unverhältnismäßig stark im Vergleich zur ursprünglichen Verletzung. Im weiteren Verlauf kommen sensorische, motorische und vegetative Störungen hinzu.
Folgende Beschwerden treten beim CRPS besonders häufig auf:
Brennende oder stechende Dauerschmerzen, die auch in Ruhe bestehen bleiben
Schwellung, Rötung und Temperaturunterschied im Vergleich zur gesunden Seite
Berührungsempfindlichkeit, schon leichte Reize wie Bettdecke oder Kleidung lösen Schmerzen aus
Veränderungen an Haut, Nägeln und Behaarung sowie vermehrtes Schwitzen
Kraftverlust, Zittern und eingeschränkte Beweglichkeit der Finger oder Zehen
Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen besonders nachts auftreten und an die Empfindungen beim Burning-Feet-Syndrom erinnern können. Die exakte Symptomausprägung variiert von Patient zu Patient. Genau diese Vielfalt erschwert die Diagnose und führt nicht selten dazu, dass Wochen oder Monate vergehen, bevor die Erkrankung erkannt wird.
Die genauen Mechanismen hinter der Entstehung eines CRPS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Klar ist jedoch, dass es sich nicht um eine psychische Erkrankung und nicht um einen Behandlungsfehler handelt. Ausgangspunkt ist fast immer ein Trauma der Extremität – in den meisten Fällen eine Fraktur, eine Operation, eine Stauchung oder eine ausgeprägte Weichteilverletzung. Das Schmerzsyndrom kann sich aber auch nach scheinbar harmlosen Anlässen entwickeln, etwa nach einem Umknicken im Sprunggelenk oder einer Bagatellverletzung.
Auf zellulärer Ebene gehen Forscher von einer Fehlsteuerung des Schmerz- und Nervensystems aus. Entzündungsbotenstoffe, eine veränderte Durchblutungsregulation, eine sensibilisierte Schmerzverarbeitung im Rückenmark und Gehirn sowie immunologische Faktoren spielen zusammen. Die Symptome erklären sich aus einem Zusammenspiel von Nerven, Gefäßen, Knochenstoffwechsel und Immunsystem. Auch genetische Veranlagungen und psychosoziale Belastungen scheinen das Risiko zu erhöhen, ohne aber als alleinige Ursache zu gelten.
Wer die Erkrankung verstehen möchte, profitiert von einem Blick auf belastbare Daten. Die folgende Übersicht fasst zentrale Zahlen zur Häufigkeit, zu typischen Auslösern und zur Geschlechterverteilung zusammen, die in Studien und Leitlinien immer wieder genannt werden.
Kennzahl | Wert |
Inzidenz CRPS Typ I (pro 100.000 pro Jahr) | ca. 5,5 – 26 |
Inzidenz CRPS Typ II (pro 100.000 pro Jahr) | ca. 0,8 |
CRPS-Risiko nach einer Fraktur | 1 – 2 % |
CRPS-Risiko nach peripherer Nervenverletzung | 2 – 5 % |
Geschlechterverhältnis (Frauen zu Männer) | etwa 3 zu 1 |
Häufigster Altersbereich | 40 bis 70 Jahre |
Verhältnis obere zu untere Extremität | etwa 2 zu 1 |
Diese Daten zeigen, dass CRPS keine extrem seltene Erkrankung ist. Vor allem ältere Frauen nach Handgelenks- oder Fußfrakturen bilden eine Risikogruppe. Das macht eine frühzeitige Aufmerksamkeit nach Verletzungen umso wichtiger.
Eine spezielle Laboruntersuchung oder ein einzelner Test, der CRPS sicher beweist, existiert nicht. Die Diagnose erfolgt klinisch nach den international anerkannten Budapest-Kriterien. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Schmerzcharakter, sichtbaren Veränderungen und Funktionsstörung. Bildgebende Verfahren und Spezialuntersuchungen werden vor allem genutzt, um andere Ursachen auszuschließen oder den Krankheitsverlauf zu beurteilen.
Typische Diagnoseschritte umfassen:
Anamnese mit detaillierter Erfassung des Unfallhergangs, des Schmerzcharakters und des bisherigen Heilungsverlaufs
Klinische Untersuchung auf Schwellung, Hautfarbe, Temperaturunterschied, Berührungsempfindlichkeit und Beweglichkeit
Bildgebung wie Röntgen oder Skelettszintigraphie zur Darstellung von Knochenveränderungen oder zur Abgrenzung von Frakturen
Ergänzende Verfahren wie Thermographie oder Drei-Phasen-Skelettszintigraphie bei unklaren Befunden
Ausschluss anderer Erkrankungen wie Infekt, Thrombose, Nervenkompressionssyndrome oder rheumatische Beschwerden
Fußspezifische Differenzialdiagnosen wie das Tarsaltunnelsyndrom werden ebenfalls geprüft, da sich die Beschwerden teilweise überschneiden. Je früher CRPS erkannt wird, desto besser sind die Therapieaussichten. Aus diesem Grund sollten anhaltende, untypisch starke Schmerzen nach einer Verletzung immer ärztlich abgeklärt werden.
Die Therapie des CRPS ist multimodal und sollte möglichst von einem Team aus Schmerzmedizinern, Orthopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten betreut werden. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht – das Ziel besteht darin, den Schmerz zu lindern, Bewegungsfähigkeit zu erhalten und Folgeschäden zu vermeiden. Wichtig ist, dass passive, gewaltsame Bewegungsübungen und intensive Wärme- oder Kälteanwendungen am Anfang vermieden werden, weil sie das Krankheitsbild verschlechtern können.
Die medikamentöse Schmerzbehandlung folgt einem Stufenschema. Eingesetzt werden je nach Phase entzündungshemmende Wirkstoffe, Antikonvulsiva, Antidepressiva mit schmerzmodulierender Wirkung, Bisphosphonate und in besonderen Situationen Kortison. Begleitend kommt ein abgestuftes Bewegungsprogramm zum Einsatz, das mit kleinen, schmerzfreien Bewegungen beginnt und sich an der Belastbarkeit orientiert. Spiegel- und Imaginationstherapie, Lymphdrainage und schmerzbezogene Verhaltenstherapie sind weitere wichtige Bausteine. Bei chronischen Verläufen werden zudem invasive Verfahren wie Sympathikusblockaden oder eine Rückenmarksstimulation diskutiert.
CRPS tritt häufiger an den Händen auf, doch auch der Fuß ist regelmäßig betroffen, vor allem nach Sprunggelenksbrüchen, Mittelfuß- oder Fersenbeinfrakturen sowie nach Operationen. Typisch sind brennende Schmerzen, die selbst in Ruhe nicht nachlassen und sich beim Aufsetzen auf den Fuß deutlich verstärken. Schon der Druck der Bettdecke oder des Schuhs kann unerträglich werden.
Wer nach einem Bruch, einer Operation oder einer schweren Bagatellverletzung anhaltend unter starken Fußschmerzen leidet, sollte den Verdacht auf CRPS frühzeitig ärztlich abklären lassen. Im Alltag spielt eine angepasste Schuhversorgung eine wichtige Rolle, weil sie Druckspitzen vermeidet und die Belastung gleichmäßiger verteilt. Eine genaue Abklärung der Schmerzursache ist immer der erste Schritt – der Überblick zu Fußschmerzen, Diagnose und Behandlung bietet hierzu eine gute Orientierung.
CRPS Typ I entsteht nach einer Verletzung, ohne dass eine Schädigung eines bestimmten Nervs nachweisbar ist. CRPS Typ II tritt nach einer eindeutigen Verletzung eines peripheren Nervs auf. Beide Formen zeigen ähnliche Beschwerden, werden aber unterschiedlich klassifiziert.
Eine ursächliche Heilung gibt es nicht, doch viele Betroffene erleben unter konsequenter Therapie eine deutliche Besserung. Bei früher Diagnose und multimodaler Behandlung ist eine weitgehende Wiederherstellung der Funktion möglich.
Der Verlauf ist sehr individuell und reicht von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. In der Regel zeigen sich die größten Fortschritte innerhalb der ersten zwölf Monate nach Therapiebeginn.
Die Behandlung erfolgt am besten in einer schmerzmedizinischen Spezialambulanz oder einer auf CRPS erfahrenen Klinik. Beteiligt sind meistens Schmerzmediziner, Orthopäden, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychotherapeuten.
Ja, neben Frakturen und Operationen kommen auch Bagatellverletzungen wie Verstauchungen oder Prellungen als Auslöser infrage. Maßgeblich ist nicht die Schwere der Verletzung, sondern die Reaktion des Nervensystems.
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, doch eine frühzeitige, schmerzangepasste Mobilisierung nach Verletzungen, das konsequente Tragen geeigneter Einlagen und Schuhe sowie das frühe Erkennen ungewöhnlicher Schmerzen senken das Risiko.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Bunny Stream. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Wistia. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen